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Pulse of Love - Big Love

Ist das Leben und die Liebe mit vierzig wirklich zu Ende? Das will Friederike, die in der Biker-Clique von allen nur Freddie genannt wird, nicht hinnehmen. Kurzerhand entschließt sie sich Joe, den Mann, dem ihr Herz schon lange gehört, zu erobern und ihm zu zeigen, dass sie nicht nur ein guter Kumpel, sondern eine richtige Frau ist. Dazu holt sie sich tatkräftige Unterstützung von Callboy Jens. Nach einem Treffen mit ihm, hat sie sich von einem grauen Entlein in einen strahlenden Schwan verwandelt und macht sich auf den Weg, Joe für sich zu gewinnen. Doch als sie vor der Biker-Kneipe ankommt, hat sie Zweifel. Macht sie sich auch nicht lächerlich vor allen anderen? Ist Joe es wert, dass sie alles auf eine Karte setzt – und womöglich verliert?

 

(Titel und Cover vorläufig.)

 

 

 

Ab morgen mache ich Diät, dachte Friederike, als sie die schweren Einkaufstaschen außer Atem auf dem Küchenstuhl in ihrer Wohnung in der dritten Etage absetzte, und herzhaft in den Erdnuss-Schokoriegel biss, von dem sie einen Fünfer-Pack mitgebracht hatte. Die Süße des Karamells verband sich in ihrem Mund mit der Cremigkeit der Schokolade zu einer köstlichen Mischung, und das knackende Geräusch, das beim Zerbeißen der leicht salzigen Erdnüsse entstand, befriedigte ihre Lust auf etwas Herzhaftes. Mit geschlossenen Augen spürte sie dem Geschmack nach. Gaumensex, schoss es ihr durch den Kopf. Wo hatte sie das noch zuletzt gelesen?
Warm und geschmeidig schlängelte sich in diesem Moment Kater Isidor um ihre Beine, rieb sein schwarzes Köpfchen mit einem Schnurren an der Jeans, und unterbrach so nicht nur Friederikes Gedankengang, sondern machte ihr unmissverständlich klar, dass er ihre Aufmerksamkeit sowie Futter begehrte. Friederike legte den Schokoriegel auf dem Tisch ab und kramte in der Einkaufstasche nach einem Schälchen Katzenfutter. Lachs mit Krabben in feiner Sauce stand darauf. Friederike riss den Metalldeckel des Schälchens auf. Das Geräusch quittierte der Kater mit vor Aufregung hochgestelltem, vibrierendem Schwanz und begehrlichen Miaus, während er um die Beine seines Frauchens herumtänzelte. Kaum hatte sie den Inhalt in den Futternapf entleert, machte Isidor sich über die Mahlzeit her. Friederike kehrte zu ihrem Schokoriegel zurück und verstaute den Inhalt der Einkaufstaschen im Kühl- und Vorratsschrank.
Lachs mit Krabben in feiner Sauce, las sie die Aufschrift des Futterdeckels noch einmal, bevor sie die Verpackung entsorgte. Auf ein Lachsfilet mit feiner Sauce hätte sie auch Lust. Dazu Kartoffeln mit Butter und feingeschnittener Petersilie – und zum Dessert eine Vanillecreme. In Gedanken lief ihr das Wasser im Mund zusammen ... Aber heute blieb die Küche kalt, denn es war Freitag. Und Freitag hieß: Treffen mit Joe und den anderen Jungs im Two Wheels, einer Biker-Kneipe, die berühmt für ihre Burger war – nicht jedoch für Lachsfilet mit Petersilienkartoffeln.
Jungs war natürlich eine Untertreibung, denn genau wie sie selbst, hatten die männlichen Mitglieder der Freitagabendrunde die vierzig bereits überschritten, und waren allesamt gestandene Männer. Dennoch nannte Friederike sie für sich insgeheim die Jungs. Im Grunde aber interessierte sie aus der ganzen Motorradclique, in der sie die einzige Frau war, nur einer: Joe. Eigentlich Joachim. Aber so nannte ihn niemand. Genau, wie in der Gruppe zu ihr alle nur Freddie sagten. Joe war Bauingenieur von Beruf, aber das war nebensächlich. Er war nämlich auch der Keyboarder der Band White Rabbit – und Friederike hatte nun mal eine Schwäche für Rockmusiker. Noch dazu, wenn sie Klavier spielen konnten! Kein Wunder also, dass sie ihren Spitznamen Freddie der Schwärmerei für einen gleichnamigen Rockstar verdankte.
Friederike sah auf die Uhr. In knapp zwei Stunden wollte sie im Two Wheels sein – und die Fahrt dorthin dauerte mindestens eine halbe Stunde. Einige der Jungs trafen sich direkt nach der Arbeit in der Biker-Kneipe, aber Joe war nie vor halb acht im Two Wheels. Deswegen richtete Friederike es zumeist so ein, dass sie nur wenige Minuten nach Joachim ankam. Es wurde höchste Zeit, sich fertigzumachen. Mit dem letzten Bissen des Schokoriegels im Mund ging sie ins Bad, zog sich aus, kletterte in die Badewanne und zog den Duschvorhang zu.
Kurz darauf stand sie abgetrocknet und mit frischgewaschenen Haaren in ihrem Schlafzimmer und hielt die Luft an, als sie den Reißverschluss der schwarzen Lederhose zuzog. Verdammt! Sie musste unbedingt ein paar Kilo abspecken, denn für eine neue Hose hatte sie einfach kein Geld. Morgen würde sie mit der Diät anfangen. Morgen. Aber nicht mehr heute.